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"Und einer kackt ab"

Schwimmen
Eine Sechsergruppe setzt sich ab, steigt nach gut 17 Minuten aus dem Wasser. Ihr Vorsprung: rund 20 Sekunden. Die späteren Medaillengewinner sind schon vorn mit dabei.

Radfahren
Eine fünf Mann starke Ausreißergruppe wird nach drei von sieben Runden eingefangen. Im Feld von 22 Fahrern rasen auch Jan Frodeno und Maik Petzold durch den Hyde Park.

Laufen
Drei rennen davon: Die Brownlee-Brüder und der Spanier Gomez. Souverän zu Gold rennt Alistair, der jüngere der Brüder. Jonathan holt Bronze, trotz einer 15-Sekunden-Strafe.


Bei Triathlet Maik Petzold wollte der Kopf, aber die Beine nicht. Trotzdem genießt er die Zeit.

von Jochen Mayer, London

Bei den Brownlee-Festspielen waren gestern im Londoner Hyde Park drei Deutsche im Rennen. Deren Abschneiden kommentierte Maik Petzold trocken: „Wir haben eine Faustregel: Einer macht ein Superrennen, einer geht durch und einer kackt ab - und der war ich eben heute." Peking-Olympiasieger Jan Frodeno kam noch fast in Sichtweite der Medaillengewinner als sechster an. Steffen Justus landete auf Rang 16. Nicht zufrieden war Maik Petzold als 31. Hand in Hand mit seinem australischen Kumpel Brad Kahlfeldt lief der Bautzener ins Ziel. Nachdem das Zielfinish ausgewertet war - mit Vorteil für den Sachsen - sprach der 34-jährige Maik Petzold über schwere Beine, London und die Zukunft.

Maik Petzold, wie lief es?
Schwimmen und Rad waren noch absolut okay, da war ich an der Spitze dran. Aber als ich losgerannt bin, da merkte ich schon: Das wird heute eine ganz harte Nummer.

Woran lag das?
Es gibt Rennen, da läuft es wie von alleine. Kürzlich hatte ich in Hamburg ganz andere Beine und die nötige Spannung. Diesmal rannte ich los - und die Beine sagten Nein. Ich wollte den Schritt ziehen, aber die Grundspannung fehlte. Die ist nötig, um schnell zu rennen.

War das dann mehr Quälerei?
Es ist für mich viel mehr Quälerei in diesem Schleichschritt zu rennen, als wenn ich auf Tempo gehen kann. Der Kopf wollte, aber die Beine nicht. Und das bei diesen Massen an der Strecke.

Ist das jetzt für Sie eine Enttäuschung?
Ich bin nicht der Typ, der Trübsal bläst. Das ist nicht meine Natur. Für mich war es ein fantastisches Ereignis, noch mal bei Olympischen Spielen starten zu können. Ich hätte gerne mehr geboten. Warum es nicht geklappt hat, weiß ich nicht.

War das Rennen im Hyde Park etwas Besonderes?
Ich startete hier schon zweimal. Diesmal gab es eine extreme Kulisse. Über 100 000 sollen dabei gewesen sein. Das war eines der Großereignisse dieser Spiele. Schön, wenn man ein Teil davon ist. Ich hatte mir aber andere Ziele gestellt.

Gab es eine Renntaktik?
Wir wollten sehen, wer ist vorn in der erste Gruppe. Ich wusste, wenn wir an die Brownlees rankommen wollen, dass ich mich an der Führungsarbeit beteiligen muss. Das habe ich getan. Ich bin froh, dass Jan die deutsche Ehre gerettet hat. So ist Triathlon: Man muss in allen drei Disziplinen vorn mitmischen.

Was sagen Sie zum Ausgang?
Die Engländer leisteten eine fantastische Arbeit. Was bei den Frauen noch nicht klappte, das holten ihre Männer nach. Sie hatten auch noch Helfer aus anderen Ländern. Trotzdem leisteten sie genügend Führungsarbeit. Ich kann nur den Hut ziehen. Sie kennen keine Gnade, ziehen ihren Job durch. Natürlich kann ich mich fragen, was ich hätte anders machen sollen. Wahrscheinlich hätte sich das Blatt für mich nicht gewendet. Wenn die Beine einmal solche Signale senden, lässt sich nichts mehr machen.

Haben Sie eine Erklärung dafür?
Vielleicht habe ich im Vorfeld zu lange zu hart trainiert. Es ist schwer zu erklären. Ich habe so viele Jahre Erfahrung. Ich fühlte mich wie beim Saisonauftakt in Sydney. Da ging auch nichts ab.

Was sagen Sie zu den Spielen?
Absolut professionell. Wir hatten als Triathleten im Hyde Park eine fantastische Plattform. Man kann sich bei den Briten nur bedanken, was sie für Spiele bieten.

Wie geht es jetzt weiter?
Noch ein paar Tage im olympischen Dorf, Impressionen einfangen, andere Wettkämpfe ansehen und meinen Auftritt sacken lassen. Dann stehen die Sprint- und Team-WM noch im Plan.

Haben Sie etwas für die Zukunft?
Mit meiner Frau habe ich klare Bilder - sie ist aber noch nicht schwanger. Der Wunsch ist da. Sie hat lange genug das Leben an der Seite eines Hochleistungssportlers mitgemacht. Ich möchte die Saison noch gut abschließen und dann ein Übergangsjahr einlegen.

Gibt es schon eine berufliche Perspektive?
Es gibt zwei, drei Optionen, die ich abchecken muss, wenn die Saison vorbei ist.

Ist der Ironman mal ein Thema?
Kann ich mir gerade nicht vorstellen, aber warten wir ab. Nach so einem Wettkampf habe ich darauf keine richtige Lust. Die Halbdistanz probiere ich vielleicht mal.

London war eine Art Abschied?
Ja, und ich genieße es. Es war für mich eine tolle Zeit, in der ich viel erlebt habe. Ich bin dankbar, dass ich mich in so einer starken Mannschaft für London durchsetzen konnte und bin froh, solche Athleten kennengelernt zu haben. Wir sind eine echte Triathlon-Familie. Ich genieße jedes Rennen. Mir wird etwas fehlen. Da schwingt jetzt schon Wehmut mit.

(Jochen Mayer, Sächsische Zeitung, S. 8, 08.08.2012)
Eingetragen am 18.09.2012 von Uwe Warmuth.

Maik Petzold und Olympia 2012

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