Bautzener Leichtathletik-VereinLV Rot-Weiß 90 e.V.

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Schneller, höher, weiter - und dann weg

In Bautzen werden Talente geformt. Jetzt gehen gleich drei von ihnen an die Sportschulen nach Dresden und Magdeburg.

von Christian Kluge

Ein bisschen traurig ist Ines Heblack schon. Die Bautzener Leichtathletik-Trainerin büßt in diesem Sommer gleich drei ihrer besten Sportlerinnen ein. Lilli-Marlen Reichwald wechselt zur Sportschule nach Magdeburg und Celine Noack sowie Sophia Finke wollen versuchen, sich an der Dresdner Sportschule zu verbessern. „Sie hätten allerdings auch hier bei uns in Bautzen gut weitertrainieren können", sagt Heblack, die ihren Schützlingen aber keine Steine in den Weg legt. Immerhin hat sich das Trio einfach nur an das heutige Motto der Olympischen Spiele gehalten: Citius, altius, fortius - was auf Latein eigentlich schneller, höher, stärker heißt, aber auf Deutsch meist als schneller, höher, weiter verkauft wird.

Wechsel nach Sachsen-Anhalt
Lilli-Marlen Reichwald, die im September ihren 15. Geburtstag feiert, ist die Älteste des Trios, das den BLV verlässt. Sie geht nicht nur nach Dresden, sondern gleich nach Magdeburg, wo sie ab 2013 für den SCM starten wird. „Ich habe mir auch die Sportschule in Dresden angeschaut, fand aber die Möglichkeiten in Magdeburg einfach besser", erzählt Reichwald. Die 14-Jährige wurde in dieser Saison bereits fünfmal Landesmeisterin. In der Halle und kürzlich auch im Freien holte sie sich jeweils die Titel über 800 und 2 000 m. Dazu kam die Goldmedaille im 5-km-Straßenlauf.

„Die längeren Strecken liegen mir eigentlich mehr als die 800 m", erzählt die Schülerin, die bisher das Schillergymnasium in Bautzen besuchte. Im kommenden Jahr wird dann die Auswahl an Strecken für sie größer, denn dann stehen auch noch die 1 500 und 3 000 m auf dem Wettkampfplan. „In Magdeburg gibt es eine größere Trainingsgruppe und viele Mädchen, die ebenfalls in meinem Alter sind. Außerdem sind dort auch die Wege zwischen Schule und Training kürzer als in Dresden."

Diese Wege stören Celine Noack und Sophia Finke allerdings nicht so sehr, denn sie haben sich für die Sportschule in Dresden und den Wechsel zum Dresdner SC entschieden. Noack kommt eigentlich aus Großröhrsdorf und wechselte vor einigen Jahren nach Bautzen, weil das Training im Rödertal nicht besonders gut lief. „Ich wollte rennen und nicht noch alle möglichen anderen Disziplinen trainieren", sagt Celine. Ihre Erfolge geben ihr Recht. Sie ist inzwischen die Schnellste beim BLV Rot-Weiß 90, obwohl sie vier Monate jünger ist als Lilli-Marlen Reichwald.

Erst kürzlich gewann Noack den Mitteldeutschen Meistertitel in der W14 über 800 m in glänzenden 2:17,22 Min. Sogar über 2.000 m ist ihre Bestmarke mit 6:50,84 Min. acht Sekunden schneller als die von Reichwald. „Ich will jetzt noch besser werden", meint Celine, die aufgrund der Fahrerei zum Training - immerhin fast täglich im Stadion Müllerwiese - mit der Schule Probleme bekam, weil einfach die Zeit zu knapp wurde. „Es war zuletzt schon ganz schön stressig."

Ein Sprint- und Sprungtalent

Auch Sophia Finke, mit 13 Jahren die Jüngste des Trios, kommt nicht direkt aus Bautzen, sondern aus Malschwitz. Im Gegensatz zu Noack und Reichwald liegen ihre Stärken nicht im Mittel- und Langstreckenlauf, sondern im Bereich Sprint und Sprung. So holte sie kürzlich die Silbermedaille bei der Landesmeisterschaft im Hochsprung, wo ihre Bestmarke nun bei 1,54 m steht. Sophia: „Ich denke, die Förderung in Dresden ist auch recht gut. Neue Kontakte kann ich dort sicher schnell knüpfen, und meine Eltern holen mich am Wochenende ab nach Hause, wenn keine Wettkämpfe anstehen." Immerhin bleibt Ines Heblack die Hälfte ihrer schnellen Trainingsgruppe erhalten, darunter auch Leonard Locke, ein starker 400- und 800-m-Läufer.

„Er kann 2013 vielleicht schon die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften über 800 m schaffen", meint Heblack. Derzeit steht seine Bestmarke bei 2:08,04 Min., die Norm ist 1:59 Min. „Leonard kann schon im Herbst um die 2:05 Min. laufen", sagt seine Trainerin. Da der Mittelschüler nach seinem Abschluss 2013 noch drei Jahre auf dem beruflichen Gymnasium in Bautzen anhängen will, bleibt er dem BLV hoffnungsvollerweise noch eine Weile erhalten.

Ebenso wie Marie-Monique Tempel und Mandy Scherzer, die Nummer fünf und sechs in Heblacks Trainingsgruppe. Für beide ist die Leichtathletik eher ein Hobby, das Spaß macht. Scherzer sagt: „An eine Sportschule will ich nicht gehen." Muss ja auch nicht sein, denn die Schülerin hat auch noch andere Hobbys, genauso wie Marie-Monique, die gerne tanzt und nicht nur springt und rennt. Dafür sind in den jüngeren Trainingsgruppen beim BLV, schon wieder Talente auf dem Sprung nach ganz oben.

Ines Heblack, die als Wettkampfwartin auch noch dem BLV-Präsidium angehört, sagt stolz: „Johanna Kleiner, die noch in der W 11 startet, hat erst in diesem Jahr den Landesrekord über 2 000 m auf 7:18,34 Min. verbessert." Ein Quantensprung, denn die alte Höchstmarke von 2008 war zwölf Sekunden schlechter! Den Status als Talente-Stützpunkt hat der BLV auch für 2013 schon in der Tasche, denn auch weitere jüngere Sportler des Vereins haben schon den Status als E- oder D-Kader geschafft oder bereits im Blick.

Überhaupt boomt die Leichtathletik in Bautzen seit einigen Jahren. Das zeigt schon die Tatsache, dass der BLV Rot-Weiß - bereits zum zweiten Mal - bis zum Jahresende einen Aufnahmestopp in dieser Abteilung verhängen musste. „Es fehlen uns einfach die Übungsleiter, um noch mehr Sportler ordentlich betreuen zu können", sagt Heblack. Rund 160 Nachwuchssportler trainieren derzeit beim BLV. Dazu kommen dann noch die ebenfalls recht erfolgreichen Erwachsenen und Senioren.

Einziger Hemmschuh ist eigentlich nur die Tatsache, dass Disziplinen wie Diskus- und Speerwerfen auf der Müllerwiese nicht gern gesehen sind. Auch in Bautzen hält sich hartnäckig die Mär vom kaputten Rasen, den die Werfer angeblich verursachen. Wer sich jedoch die Müllerwiese nach einem Oberliga-Fußballspiel genau anschaut, der weiß besser, woher die großen Löcher auf der Wiese kommen.

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Drei Talente vom Bautzener LV Rot-Weiß 90 nahmen am Schuljahresende Abschied vom Stadion Mullerwiese. Sie wechseln nun an die Sportschulen nach Dresden und Magdeburg und starten 2013 auch für andere Vereine. Vorn von links: Lilli-Marlen Reichwald, Celine Noack und Sophia Finke. Dahinter der verbleibende Rest der Trainingsgruppe (von links): Marie-Monique Tempel, Leonard Locke und Mandy Scherzer. Foto: Christian Kluge

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Trainerin Ines Heblack vom BLV Rot-Weiß 90. Foto: privat

(Christian Kluge, Sächsische Zeitung, S. 10, 24.07.2012)
Eingetragen am 10.09.2012 von Uwe Warmuth.

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